1. Literaturtag Wagenschwend

Das Thema ist nicht so abwegig, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört. „Es war spätabends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee.“ So beginnt Kafkas Roman „Das Schloß“ aus dem Jahr 1922. „Eines Tages, vielleicht sehr bald schon, werde ich den Versuch machen, das Dorf zu beschreiben“, so beginnt der wunderbare Text „Beschreibung eines Dorfes“ aus dem Jahr 1965 von Marie Luise Kaschnitz. Und das vermutlich bekannteste Drama der literarischen Moderne beginnt mit der Szenenanweisung: „Straße auf dem Land. Ein Baum. Abend. Estragon sitzt auf der Erde.“ Das sind die ersten Zeilen von Samuel Becketts Schauspiel „Warten auf Godot“ aus dem Jahr 1952. Es ist ganz offensichtlich ein Irrtum zu glauben, literarische Moderne und Provinz würden sich ausschließen – oder umgekehrt: Moderne wäre nur mit Airport, iPhone 17 und Ear buds mit Noise cancelling zu haben.