Aktuelle Veröffentlichungen

In Arbeit: Ars Militans: Abfall der Geschichte.
Zum Provinzialismus der literarischen Moderne
Der Band Abfall der Geschichte. Zum Provinzialismus der literarischen Moderne untersucht, wie die literarische Moderne das Verhältnis von Zentrum und Provinz modelliert. Während die Moderne häufig als urbanes Phänomen beschrieben wird und die Provinz als randständig oder antimodern gilt, vollziehen zahlreiche Texte der literarischen Moderne (von Kafka, über Graf, Böll, Elsner, Achternbusch, Innerhofer, Bernhard, Hilbig, Jelinek bis Winkler, um nur einige zu nennen) ein Schreiben in und aus der Provinz heraus. Sie widersetzen sich der gängigen Gegenüberstellung von Zentrum und Peripherie, wobei die Moderne auf Seiten der Zentren und die Provinz auf Seiten einer Antimoderne gestellt wird. Denn was in dieser Gegenüberstellung verkannt und übergangen wird, ist die Zusammengehörigkeit von beidem. Nicht anders als in den großen Städten bricht der Fortschritt auch über die Provinz revolutionär herein. Der Titel Abfall der Geschichte stellt auf diese Dialektik ab. So erinnern die Autor:innen der literarischen Moderne an die subkutanen, geschichtlichen Materialisierungen des Fortschritts, sei es an Industriebrachen, Altlastenflächen oder Mülldeponien. Dabei birgt das Land nicht nur die konsumierten Reste der Zentren, sondern es beherbergt auch Spuren, Schichten und Ablagerungen der Geschichte. Diese prägen nicht nur den geologischen Raum der Provinz, sondern auch die sie besiedelnden Menschen. Die Literatur der Moderne macht solche Wechselwirkungen sichtbar. Damit steht sie der marktgängigen Gegenwartsliteratur entgegen, die sich vor allem an Konsumbedürfnissen ausrichtet. ‚Abfall der Geschichte‘ meint damit auch die Verabschiedung von Geschichte als Möglichkeit eines Anderswerdens.
Damit einher geht auch die Frage, warum die Provinz in besonderer Weise ein Ort und Sujet der literarischen Moderne ist.

The Distortion of Political Language
Eric Voegelin and the Critical Role of Literature
Reihe: Eric Voegelin Studies: Yearbook, Band: 5
Herausgeber:innen: Giuliana Parotto und Clemens Pornschlegel
Along with Hannah Arendt and Leo Strauss, Eric Voegelin is one of the leading figures in neoclassical political philosophy. This volume examines the distortion of political language and the resulting loss of touch with reality. Central to this analysis is the conviction that the distortion of language in politics—as currently practiced not only on social media—undermines the possibility of reasoned debate. In the fight against the corruption of language, Voegelin recognized literature as a significant medium. Thus, the volume includes essays that shed light on Voegelin’s relationship to various authors such as Stefan George, Hermann Broch, Thomas Mann, and George Santayana.

Adret Claudel Bakatoula
Critique heideggérienne du christianisme
Une lecture des « Cahiers noirs »
La méconnaissance de la pensée heideggérienne a suscité souvent des malentendus ou des quid pro quod. Voilà pourquoi ses réflexions sur le « romain » ont été interprétées comme manifestant une hostilité à l’égard du « chrétien », alors qu’il n’en est pas ainsi. La critique heideggérienne du christianisme et du catholicisme devenu « système » a pour but de contribuer à l’évolution religieuse de l’Église, non en adaptant une stratégie de repli de la foi sur elle-même, mais dans une pleine rigueur de la pensée, de la pensée in-conditionnelle libérée de tout dogmatisme, de toute contrainte et de tout délire. Pour Heidegger, le christianisme des Temps nouveaux et sa théologie se sont fourvoyés dans l’in-décision, parce que dominés par la métaphysique absolue de la subjectivité, et pour se faire à chaque fois un « statut », se réconcilient avec l’esprit dominant d’une époque, en offrant à l’homme-sujet-chrétien des assurances fallacieuses. Cette logique de « qui perd, gagne » du christianisme et de sa théologie ne fait que rendre manifeste leur évasion de la factivité. Ni la métaphysique absolue de la subjectivité avec sa pensée mathématique, ni le fait de pactiser à chaque fois avec l’esprit dominant d’une époque ne pourront jamais redonner au christianisme la possibilité et la capacité de vivre la tribulation absolue qui la constitue, c’est-à-dire de vivre réellement l’expérience factive. De même, la théologie chrétienne ne se fondant pas sur un questionnement d’abord propre à la foi, mais sur la métaphysique absolue de la subjectivité, outre elle n’a pas de sol fiable, mais devient insuffisante pour la problématique théologique en tant que telle, et elle la recouvre et la défigure. Seule donc la fondation dans l’urgence de l’être et dans le « savoir essentiel » permettront au christianisme et à sa théologie de se sauver de tout danger et de toute in-décision en face de l’oubli de l’être.
RAINER WERNER FASSBINDER: KINO DER SUBVERSION
Rainer Werner Fassbinder versuchte mit seinem Kino unentwegt ästhetische und gesellschaftliche Grenzen zu erweitern. Der Band geht von diesem subversiven Begehren nach Grenzüberschreitungen im Werk Fassbinders aus. Dies umfasst die Subversion von konventionellen Darstellungsweisen, mediale Brechungen im Film, subkulturelle Ausbruchsbewegungen gegen die bürgerlich-kapitalistische Ordnung, eine unentwegte Arbeit an deutscher Geschichte und die historische Formation von Subjekten, einer körperlich-materialistischen Ästhetik sowie eine religiöse Signatur, die sich durch sein Werk zieht.
LITERARISCHE DIAGNOSTIK
Die Romane des sozialen Realismus reagieren auf die verheerenden Folgen der Weltwirtschaftskrise ab 1929, indem sie soziale, politische und ökonomische Strukturen ins Zentrum ihrer Darstellung rücken. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Analyse der Wechselwirkungen von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und individuellen Möglichkeitsräumen. Um diese analytische Dimension greifbar zu machen, führt das Buch in das Konzept des Strukturromans ein. Dabei rücken sowohl die politischen Weichenstellungen der frühen Weimarer Republik (1918-1923) als auch die zunehmende ökonomische Durchdringung der Gesellschaft in den Fokus, die den Zeitgenossen einen Zugang zur letalen Krise der Gegenwart ebnen soll.
STRUKTUR UND VERHALTEN
Wenn Lebensformen gleich welcher Art zur Darstellung kommen sollen, bedarf es nicht einfach des Beschreibens von Zuständen, sondern spezifischer Verfahren, die das Erzählen von Strukturen ermöglichen. Es stehen dann nicht mehr singuläre Handlungen im Vordergrund, sondern Formen sich wiederholenden Verhaltens. Aus narratologischer Perspektive kann die von Gérard Genette eingeführte und ausdifferenzierte Kategorie des iterativen Erzählens für die Beschreibung eines solchen Erzählens innerhalb wie außerhalb der Literatur nutzbar gemacht werden. Die zwölf Beiträgerinnen und Beiträger dieses Bandes sind daher einerseits literarischen Texten von Marcel Proust, Gertrude Stein, Aleksandr Solženicyn, Thomas Bernhard und Rainald Goetz gewidmet, andererseits ebenso dem Darstellungsmodus in Texten zur Völkerpsychologie, zum sogenannten Gewohnheitsverbrecher und der Erfolgsratgeberliteratur, aber auch dem Begriff der strukturellen Gewalt und dem Phänomen der Strichliste – oder einfach dem, was geschieht, wenn ‚nicht eigentlich erzählt‘, sondern etwa ‚geschildert‘ wird.
ARS MILITANS
Eine Literaturgeschichte „jenseits der Ästhetik“ begreift Texte und Autoren nicht länger als Vertreter (national-) literarischer Schulen, unterschiedlicher Epochen und entsprechender Kunstprodukte in ihrem Bezug zum Publikum und zum jeweiligen Erwartungshorizont, sondern als Analytiker und Entdecker ungesehener Wirklichkeiten, als engagierte Verfechter neuer und anderer Sensibilitäten und Subjektivitäten, als prophetische Stimmen historisch-politisch unbequemer Wahrheiten.
Eine Literaturwissenschaft „jenseits der Ästhetik“ definiert sich als Kartographie von textuellen Konflikten und der in sie involvierten Parteien, als Beschreibung der unterschiedlichen dogmatisch fundierten Bezüge, die Subjekte zu Texten unterhalten, als Analyse der hermeneutischen Prozeduren, mit denen Texte klassifiziert, hierarchisiert, kanonisiert, gedeutet und Text-Welt-Verhältnisse begründet werden.
Ars militans.



